Österreich schickt Countertenor JJ zum ESC 2025 nach Basel
Österreichs Kandidat beim Eurovision Song Contest 2025 in Basel ist der 23-jährige JJ. Das hat der ORF, wie seit 2017 üblich, intern entschieden. Sein ESC-Song "Wasted Love" wird am 6. März präsentiert.
Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Die Österreicher brechen jedenfalls nichts über Knie, wenn es um große Entscheidungen geht, ob Regierungsbildung oder perfekter ESC-Act. Bereits im Frühsommer des vergangenen Jahres machen sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einem Kandidaten für Basel 2025. Die Wahl fällt schließlich auf JJ - und die ist durchaus ungewöhnlich. Denn als Countertenor sorgt der der 23-jährige bisher vor allem in der Welt der klassischen Musik für Furore. Für Basel verspricht JJ etwas völlig Neues, das es so noch nicht gegeben habe. Eine dreiminütige Pop-Oper mit dem Titel "Wasted Love". Erinnerungen an Nemo werden wach.
JJ wächst im Wüstenstaat Dubai auf
JJ heißt mit bürgerlichem Namen Johannes Pietsch. Geboren in Wien, wächst er von klein auf in Dubai auf. In dem Wüstenstaat hatten sich seine Eltern, ein österreichischer IT-Fachmann und eine philippinische Köchin, kennengelernt. JJ wächst bilingual auf und besucht die Deutsche Internationale Schule. Den Spitznamen und jetzigen Künstlernamen JJ haben ihm seine Schulfreunde verpasst. Denn Hansi ist schließlich längst nicht so cool.
Ausbildung an der Wiener Staatsoper
Schon früh kommt JJ mit Musik in Kontakt. Jedes Wochenende veranstalten seine Eltern zuhause eine Karaoke-Party. Ein erster Einblick in die Popwelt. Und er schaut sich YouTube-Videos großer Operndiven wie Maria Callas und Monserrat Caballé an - und ahmt diese nach. Sein Vater weckt zudem JJs Begeisterung für Mozart. Als er 15 ist, zieht die Familie zurück nach Wien - das Zentrum der Klassik. JJ schließt die Schule ab und absolviert anschließend eine Ausbildung an der Opernschule der Wiener Staatsoper.
Drei Stunden Gesangstraining am Tag
JJ wandelt weiter zwischen Pop und Klassik: Im Jahr 2021 schafft er es bis ins Finale der österreichischen Ausgabe von "Starmania". Mittlerweile studiert JJ Sologesang an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK). Regelmäßig tritt der Sänger mit der Sopranstimme an der Wiener Staatsoper auf. Derzeit steht er als "Knabe" in einer Neuinszenierung von Mozarts "Zauberflöte" auf der Bühne. Singen, Schauspiel, Choreografie gehören zu JJs Alltag. Konditionsprobleme Fehlanzeige. "Ich mache jeden Tag mindestens drei Stunden Gesangstraining."
"Es ist eine große Ehre für mich, Österreich in Basel vertreten zu dürfen. Mein Herz schlägt für die große Show - und da gibt es nichts Größeres als den Eurovision Song Contest. Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das in mich gesetzt wird. In den nächsten Wochen werden wir hart daran arbeiten, im Mai einen unvergesslichen Auftritt auf die Bühne zu bringen." JJ
JJ: "Das wird eine Fetzengaudi"
Zum ESC hat JJ eine sentimentale Verbindung. Seit der Teilnahme von Conchita schaut seine Familie den Contest. Inklusive großem Buffet und reger Diskussionen. Und es gibt ESC-Lieblingskünstler aus der Heimat: JJ liebt die Performances von Cesár Sampson und Teya & Salena. Dass der ESC auch wie eine große Familie ist, zeigt sich darin, dass er "Wasted Love" zusammen mit Teodora Špirić (Teya) geschrieben hat. Für Basel verspricht JJ eine "Fetzengaudi". Nicht nur für das Publikum, sondern auch für seine ganze Familie samt Opa und Freunden, die alle mit nach Basel kommen.
Österreichs Suche nach ESC-Act
Im Frühsommer 2024 machten sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einem Act für den ESC in der Schweiz. Zunächst wurden eurovisionserfahrene Talentscouts aktiv und suchten nach möglichen Kandidatinnen und Kandidaten in der heimischen Musikszene. Erstmals fand ein Songwriting-Camp mit Autoren, Komponisten und Interpreten statt. Die vielversprechendsten Songs wurden dann von einer nationalen und internationalen Jury aus 30 Experten bewertet, darunter Musikproduzenten, Interpreten, Journalisten, Musikprofis und Musikredakteure. Außerdem konnten auch Vertreter von fast 30 OGAEs, den offiziellen Fanclubs des Eurovision Song Contest, aus fünf Ländern sowie die für den ESC zuständige ORF-Redaktion ihre Stimmen abgeben. Unter Einbeziehung aller Bewertungen wurde JJ schließlich als Act für Basel ausgewählt.